55 – Wertorientiert Entscheidungen treffen. Mein Kirchenaustritt mit TZI beleuchtet. Teil 2


Die aktuellen drei Podcastfolgen sind insofern ein Exkurs, als es nicht um Schule und Bildung geht. Und doch passt das Thema hervorragend in unser Podcast-Herbst-Überthema, das lautet: „Wie bleiben/werden wir handlungsfähig?“. Es geht heute und nächste Woche ums Entscheidungen treffen und Katharina nimmt euch mit in einen sehr persönlichen und intensiven Entscheidungsprozess, nämlich ihren Kirchenaustritt vor einem halben Jahr.

Als Lehrer:in treffen wir jeden Tag hunderte kleine, aber immer wieder auch größere und gewichtige Entscheidungen. Und nicht selten müssen wir dabei zwischen Vorgaben und unseren (pädagogischen) Werten, manchmal aber auch zwischen vielleicht kollidierenden Werten unseren Weg finden.
In diesen drei Podcastfolgen nimmt Katharina ihre Entscheidung zum Austritt aus der katholischen Kirche mit den Axiomen, dem Chairperson-Postulat und dem Vier-Faktoren-Modell, allesamt Konzeptbausteine der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn in den Blick. Unten findet ihr die Links zu unseren Podcast-Folgen, in denen diese Bausteine erläutert und auf die Schule bezogen vorgestellt werden!

Aus dem heutigen, zweiten Teil:

„Ruth Cohn schreibt zum Chairperson-Postulat: >>Der Chairman ist nicht nur der Vorsitzende oder Moderator einer Gruppe, sondern der Vertreter der Interessen aller, d.h. aller Stimmen meines inneren Teams.<<

In Bezug auf die Frage nach meiner Kirchenzugehörigkeit: Wer sitzt da alles in meinem inneren Team, dessen Vorsteherin ich als meine Chairperson bin?

Da gibt es die Stimme der Katharina, die sich als Teil dieser Gemeinschaft fühlt. […] Da ist die Mutter in mir, die vier Kinder, aber vor allem auch zwei Töchter hat (und ebenso die Lehrerin, die Schülerinnen hat): Und wenn auch ich selbst aktuell nicht Priesterin werden wollen würde, sofern es diese Möglichkeit gäbe, so missbillige ich dennoch die strukturelle Benachteiligung der Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Und ich will als Person, die für meine Kinder und/oder Schüler:innen Werte vorlebt, mich möglichst kohärent zu diesen Werten verhalten. Da ist die Stimme in mir, die spürt, dass es mich auch krank macht, dies nicht zu tun und dass es daher auch in meinem ganz ureigenen Interesse liegen sollte, mich immer wieder und immer mehr um eine „dynamische Balance“ zwischen meinen Werten und meinem Leben zu bemühen. […] Dann gibt es auch noch die Stimme nach der nachbarschaftlichen Verbundenheit vor Ort, die auch die Vielfalt schätzt, die in so einer Volkskirche (noch) zu finden ist. Und dazu gehört dann natürlich auch das konservative Spektrum: Also auch eine Stimme, die den Streit und den Konflikt nicht scheuen will, Widersprüche auch aushalten möchte, weil sie dazugehören, wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Die davon nicht einfach weggehen will, weil ihr etwas nicht passt. Und es gibt auch die innere Stimme in mir, die sich solidarisieren will mit den Opfern kirchlichen sexuellen Missbrauchs, in dem ich deutlich mache: Was euch widerfahren ist, ist in keinster Weise akzeptabel. […]“


[1] Ruth C. Cohn: Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. Stuttgart 1975 (19. Auflage 2018), S.120.
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Podcastfolgen zur TZI:
1.) „TZI – Dein Supertool!“ In dieser Folge stelle ich dir die TZI als absolutes
„Supertool“ für deine Arbeit in der Schule, für deinen Unterricht, für deine
verschiedensten Team- und Kollegiumssituationen, …ach, eigentlich für alle
deine Lebensbereiche!…, vor. Dabei lernst du unter anderem das
Vierfaktoren-Modell (ICH – WIR – ES – GLOBE) und seine Funktion
kennen.

2.) „Warum ich mich in die TZI verliebt habe“. In dieser Folge stelle ich dir die
drei Axiome vor und kann nur sagen: Sie sind so wunderbar, weil sie
klärend formulieren, was und wie wir uns als Menschen erleben, allein, in
Gruppen, in unseren Entscheidungen, in globalen Zusammenhängen. Viel
Spaß beim Hören und Mitnehmen in den Schulalltag!

3.) „Sei deine eigene Chairperson!“ – Wie stellst du die Balance her zwischen
deiner Autonomie und deiner Interdependenz? Wie erkennst du äußere und
innere Grenzen und wo du sie erweitern kannst und musst? Wie nimmst du
dich selbst und andere und die Welt an, wie es ist, ohne deine
Handlungsfähigkeit und die Notwendigkeit zum Wandel aus den Augen zu
verlieren? …Die TZI kann uns in Bezug auf Schule auf vielfältige Weise
unterstützen, aber hier sehe ich definitiv ihren größten Impact für uns als
Lehrer:innen!

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www.zukunftmachtschule.org


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